Nacht. in #...# Stellen der Gutenberg Ausgabe, die ich durch Text aus der Artemis Ausgabe von 1949 ersetzt habe. Ich habe nur den Part von Faust durchgesehen. In einem hochgew”lbten, engen gotischen Zimmer Faust, unruhig auf seinem Sessel am Pulte. FAUST: Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heiáem Bemhn. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor; Heiáe Magister, heiáe Doktor gar Und ziehe schon an die zehen Jahr Herauf, herab und quer und krumm Meine Schler an der Nase herum- Und sehe, daá wir nichts wissen k”nnen! Das will mir schier das Herz verbrennen. Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen, Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel, Frchte mich weder vor H”lle noch Teufel- Dafr ist mir auch alle Freud entrissen, Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen, Bilde mir nicht ein, ich k”nnte was lehren, Die Menschen zu bessern und zu bekehren. Auch hab ich weder Gut noch Geld, Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt; Es m”chte kein Hund so l„nger leben! Drum hab ich mich der Magie ergeben, Ob mir durch Geistes Kraft und Mund Nicht manch Geheimnis wrde kund; Daá ich nicht mehr mit sauerm Schweiá #saurem# Zu sagen brauche, was ich nicht weiá; Daá ich erkenne, was die Welt Im Innersten zusammenh„lt, Schau alle Wirkenskraft und Samen, Und tu nicht mehr in Worten kramen. O s„hst du, voller Mondenschein, Zum letzenmal auf meine Pein, Den ich so manche Mitternacht An diesem Pult herangewacht: Dann ber Bchern und Papier, Trbsel'ger Freund, erschienst du mir! Ach! k”nnt ich doch auf Bergesh”hn In deinem lieben Lichte gehn, Um Bergesh”hle mit Geistern schweben, Auf Wiesen in deinem D„mmer weben, Von allem Wissensqualm entladen, In deinem Tau gesund mich baden! Weh! steck ich in dem Kerker noch? Verfluchtes dumpfes Mauerloch, Wo selbst das liebe Himmelslicht Trb durch gemalte Scheiben bricht! Beschr„nkt mit diesem Bcherhauf, den Wrme nagen, Staub bedeckt, Den bis ans hohe Gew”lb hinauf Ein angeraucht Papier umsteckt; Mit Gl„sern, Bchsen rings umstellt, Mit Instrumenten vollgepfropft, Urv„ter Hausrat drein gestopft- Das ist deine Welt! das heiát eine Welt! Und fragst du noch, warum dein Herz Sich bang in deinem Busen klemmt? Warum ein unerkl„rter Schmerz Dir alle Lebensregung hemmt? Statt der lebendigen Natur, Da Gott die Menschen schuf hinein, Umgibt in Rauch und Moder nur Dich Tiergeripp und Totenbein. Flieh! auf! hinaus ins weite Land! Und dies geheimnisvolle Buch, Von Nostradamus' eigner Hand, Ist dir es nicht Geleit genug? Erkennest dann der Sterne Lauf, Und wenn Natur dich Unterweist, Dann geht die Seelenkraft dir auf, Wie spricht ein Geist zum andern Geist. #andren# Umsonst, daá trocknes Sinnen hier Die heil'gen Zeichen dir erkl„rt: Ihr schwebt, ihr Geister, neben mir; Antwortet mir, wenn ihr mich h”rt! (Er schl„gt das Buch auf und erblickt das Zeichen des Makrokosmus.) Ha! welche Wonne flieát in diesem Blick Auf einmal mir durch alle meine Sinnen! Ich fhle junges, heil'ges Lebensglck Neuglhend mir durch Nerv' und Adern rinnen. War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb, Die mir das innre Toben stillen, Das arme Herz mit Freude fllen, Und mit geheimnisvollem Trieb Die Kr„fte der Natur rings um mich her enthllen? Bin ich ein Gott? Mir wird so licht! Ich schau in diesen reinen Zgen Die wirkende Natur vor meiner Seele liegen. Jetzt erst erkenn ich, was der Weise spricht: "Die Geisterwelt ist nicht verschlossen; Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot! Auf! bade, Schler, unverdrossen # Auf,# Die ird'sche Brust im Morgenrot!" (er beschaut das Zeichen.) Wie alles sich zum Ganzen webt, Eins in dem andern wirkt und lebt! Wie Himmelskr„fte auf- und niedersteigen # auf und nieder steigen# Und sich die goldnen Eimer reichen! Mit segenduftenden Schwingen Vom Himmel durch die Erde dringen, Harmonisch all das All durchklingen! Welch Schauspiel! Aber ach! ein Schauspiel nur! Wo fass ich dich, unendliche Natur? Euch Brste, wo? Ihr Quellen alles Lebens, An denen Himmel und Erde h„ngt, Dahin die welke Brust sich dr„ngt- Ihr quellt, ihr tr„nkt, und schmacht ich so vergebens? (er schl„gt unwillig das Buch um und erblickt das Zeichen des Erdgeistes.) Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein! Du, Geist der Erde, bist mir n„her; Schon fhl ich meine Kr„fte h”her, Schon glh ich wie von neuem Wein. Ich fhle Mut, mich in die Welt zu wagen, Der Erde Weh, der Erde Glck zu tragen, Mit Strmen mich herumzuschlagen Und in des Schiffbruchs Knirschen nicht zu zagen. Es w”lkt sich ber mir- Der Mond verbirgt sein Licht- Die Lampe schwindet!- Es dampft! Es zucken rote Strahlen Mir um das Haupt- Es weht Ein Schauer vom Gew”lb herab Und faát mich an! Ich fhl's, du schwebst um mich, erflehter Geist Enthlle dich! Ha! wie's in meinem Herzen reiát! Zu neuen Gefhlen All meine Sinnen sich erwhlen! Ich fhle ganz mein Herz dir hingegeben! Du muát! du muát! und kostet es mein Leben! (Er faát das Buch und spricht das Zeichen des Geistes geheimnisvoll aus. Es zuckt eine r”tliche Flamme, der Geist erscheint in der Flamme.) GEIST: Wer ruft mir? FAUST (abgewendet): Schreckliches Gesicht! GEIST: Du hast mich m„chtig angezogen, An meiner Sph„re lang gesogen, Und nun- FAUST: Weh! ich ertrag dich nicht! GEIST: Du flehst, eratmend mich zu schauen, Meine Stimme zu h”ren, mein Antlitz zu sehn; Mich neigt dein m„chtig Seelenflehn, Da bin ich!- Welch erb„rmlich Grauen Faát šbermenschen dich! Wo ist der Seele Ruf? Wo ist die Brust, die eine Welt in sich erschuf Und trug und hegte, die mit Freudebeben Erschwoll, sich uns, den Geistern, gleich zu heben? Wo bist du, Faust, des Stimme mir erklang, Der sich an mich mit allen Kr„ften drang? Bist du es, der, von meinem Hauch umwittert, In allen Lebenslagen zittert, Ein furchtsam weggekrmmter Wurm? FAUST: Soll ich dir, Flammenbildung, weichen? Ich bin's, bin Faust, bin deinesgleichen! GEIST: In Lebensfluten, im Tatensturm Wall ich auf und ab, Wehe hin und her! Geburt und Grab, Ein ewiges Meer, Ein wechselndes Wehen, Ein glhend Leben, So schaff ich am laufenden Webstuhl der Zeit Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid. FAUST: Der du die weite Welt umschweifst, Gesch„ftiger Geist, wie nah fhl ich mich dir! GEIST: Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Nicht mir! (verschwindet) FAUST (zusammenstrzend): Nicht dir? Wem denn? Ich Ebenbild der Gottheit! Und nicht einmal dir! (es klopft) O Tod! ich kenn's- das ist mein Famulus! Es wird mein sch”nstes Glck zunichte! Daá diese Flle der Gesichte #Geschichte# Der trockne Schleicher st”ren muá! (Wagner im Schlafrock und der Nachtmtze, eine Lampe in der Hand. Faust wendet sich unwillig.) WAGNER: Verzeiht! ich h”r euch deklamieren; Ihr last gewiá ein griechisch Trauerspiel? In dieser Kunst m”cht ich was profitieren, Denn heutzutage wirkt das viel. Ich hab es ”fters rhmen h”ren, Ein Kom”diant k”nnt einen Pfarrer lehren. FAUST: Ja, wenn der Pfarrer ein Kom”diant ist; Wie das denn wohl zuzeiten kommen mag. WAGNER: Ach! wenn man so in sein Museum gebannt ist, Und sieht die Welt kaum einen Feiertag, Kaum durch ein Fernglas, nur von weitem, Wie soll man sie durch šberredung leiten? FAUST: Wenn ihr's nicht fhlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkr„ftigem Behagen Die Herzen aller H”rer zwingt. Sitzt ihr nur immer! leimt zusammen, Braut ein Ragout von andrer Schmaus Und blast die kmmerlichen Flammen Aus eurem Aschenh„ufchen 'raus! # Aschenh„uschen# Bewundrung von Kindern und Affen, Wenn euch darnach der Gaumen steht- Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, Wenn es euch nicht von Herzen geht. WAGNER: Allein der Vortrag macht des Redners Glck; Ich fhl es wohl, noch bin ich weit zurck. FAUST: Such Er den redlichen Gewinn! Sei Er kein schellenlauter Tor! Es tr„gt Verstand und rechter Sinn Mit wenig Kunst sich selber vor! Und wenn's euch Ernst ist, was zu sagen, Ist's n”tig, Worten nachzujagen? Ja, eure Reden, die so blinkend sind, In denen ihr der Menschheit Schnitzel kr„uselt, Sind unerquicklich wie der Nebelwind, Der herbstlich durch die drren Bl„tter s„uselt! WAGNER: Ach Gott! die Kunst ist lang; Und kurz ist unser Leben. Mir wird, bei meinem kritischen Bestreben, Doch oft um Kopf und Busen bang. Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben, Durch die man zu den Quellen steigt! Und eh man nur den halben Weg erreicht, Muá wohl ein armer Teufel sterben. FAUST: Das Pergament, ist das der heil'ge Bronnen, Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt? Erquickung hast du nicht gewonnen, Wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt. WAGNER: Verzeiht! es ist ein groá Ergetzen, Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, Und wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht. FAUST: O ja, bis an die Sterne weit! Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln. Was ihr den Geist der Zeiten heiát, Das ist im Grund der Herren eigner Geist, In dem die Zeiten sich bespiegeln. Da ist's denn wahrlich oft ein Jammer! Man l„uft euch bei dem ersten Blick davon. Ein Kehrichtfaá und eine Rumpelkammer Und h”chstens eine Haupt- und Staatsaktion Mit trefflichen pragmatischen Maximen, Wie sie den Puppen wohl im Munde ziemen! WAGNER: Allein die Welt! des Menschen Herz und Geist! M”cht jeglicher doch was davon erkennen. FAUST: Ja, was man so erkennen heiát! Wer darf das Kind beim Namen nennen? Die wenigen, die was davon erkannt, Die t”richt g'nug ihr volles Herz nicht wahrten, Dem P”bel ihr Gefhl, ihr Schauen offenbarten, Hat man von je gekreuzigt und verbrannt. Ich bitt Euch, Freund, es ist tief in der Nacht, Wir mssen's diesmal unterbrechen. WAGNER: Ich h„tte gern nur immer fortgewacht, Um so gelehrt mit Euch mich zu besprechen. Doch morgen, als am ersten Ostertage, Erlaubt mir ein' und andre Frage. Mit Eifer hab' ich mich der Studien beflissen; Zwar weiá ich viel, doch m”cht' ich alles wissen. (Ab.) FAUST (allein): Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet, Der immerfort an schalem Zeuge klebt, Mit gier'ger Hand nach Sch„tzen gr„bt, Und froh ist, wenn er Regenwrmer findet! Darf eine solche Menschenstimme hier, Wo Geisterflle mich umgab, ert”nen? Doch ach! fr diesmal dank ich dir, Dem „rmlichsten von allen Erdens”hnen. Du rissest mich von der Verzweiflung los, #rittest# Die mir die Sinne schon zerst”ren wollte. Ach! die Erscheinung war so riesengroá, Daá ich mich recht als Zwerg empfinden sollte. Ich, Ebenbild der Gottheit, das sich schon Ganz nah gednkt dem Spiegel ew'ger Wahrheit, Sein selbst genoá in Himmelsglanz und Klarheit, Und abgestreift den Erdensohn; Ich, mehr als Cherub, dessen freie Kraft Schon durch die Adern der Natur zu flieáen Und, schaffend, G”tterleben zu genieáen Sich ahnungsvoll vermaá, wie muá ich's báen! Ein Donnerwort hat mich hinweggerafft. Nicht darf ich dir zu gleichen mich vermessen; Hab ich die Kraft dich anzuziehn besessen, So hatt ich dich zu halten keine Kraft. Zu jenem sel'gen Augenblicke Ich fhlte mich so klein, so groá; Du stieáest grausam mich zurcke, # zurck# Ins ungewisse Menschenlos. Wer lehret mich? was soll ich meiden? Soll ich gehorchen jenem Drang? Ach! unsre Taten selbst, so gut als unsre Leiden, Sie hemmen unsres Lebens Gang. Dem Herrlichsten, was auch der Geist empfangen, Dr„ngt immer fremd und fremder Stoff sich an; Wenn wir zum Guten dieser Welt gelangen, Dann heiát das Beáre Trug und Wahn. Die uns das Leben gaben, herrliche Gefhle Erstarren in dem irdischen Gewhle. Wenn Phantasie sich sonst mit khnem Flug Und hoffnungsvoll zum Ewigen erweitert, So ist ein kleiner Raum ihr nun genug, #"nun" fehlt# Wenn Glck auf Glck im Zeitenstrudel scheitert. Die Sorge nistet gleich im tiefen Herzen, Dort wirket sie geheime Schmerzen, Unruhig wiegt sie sich und st”ret Luft und Ruh; Sie deckt sich stets mit neuen Masken zu, Sie mag als Haus und Hof, als Weib und Kind erscheinen, Als Feuer, Wasser, Dolch und Gift; Du bebst vor allem, was nicht trifft, Und was du nie verlierst, das muát du stets beweinen. Den G”ttern gleich ich nicht! zu tief ist es gefhlt; Dem Wurme gleich ich, der den Staub durchwhlt, Den, wie er sich im Staube n„hrend lebt, Des Wandrers Tritt vernichtet und begr„bt. Ist es nicht Staub, was diese hohe Wand Aus hundert F„chern mit verenget? Der Tr”del, der mit tausendfachem Tand In dieser Mottenwelt mich dr„nget? Hier soll ich finden, was mir fehlt? Soll ich vielleicht in tausend Bchern lesen, Daá berall die Menschen sich gequ„lt, Daá hie und da ein Glcklicher gewesen?- Was grinsest du mir, hohler Sch„del, her? Als daá dein Hirn, wie meines, einst verwirret Den leichten Tag gesucht und in der D„mmrung schwer, Mit Luft nach Wahrheit, j„mmerlich geirret. Ihr Instrumente freilich spottet mein, Mit Rad und K„mmen, Walz und Bgel: Ich stand am Tor, ihr solltet Schlssel sein; Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel. Geheimnisvoll am lichten Tag L„át sich Natur des Schleiers nicht berauben, Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag, Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben. Du alt Ger„te, das ich nicht gebraucht, Du stehst nur hier, weil dich mein Vater brauchte. Du alte Rolle, du wirst angeraucht, Solang an diesem Pult die trbe Lampe schmauchte. Weit besser h„tt ich doch mein Weniges verpraát, Als mit dem Wenigen belastet hier zu schwitzen! Was du ererbt von deinem Vater hast, Erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht ntzt, ist eine schwere Last, Nur was der Augenblick erschafft, das kann er ntzen. Doch warum heftet sich mein Blick auf jene Stelle? Ist jenes Fl„schchen dort den Augen ein Magnet? Warum wird mir auf einmal lieblich helle, Als wenn im n„cht'gen Wald uns Mondenglanz umweht? Ich gráe dich, du einzige Phiole, Die ich mit Andacht nun herunterhole! In dir verehr ich Menschenwitz und Kunst. Du Inbegriff der holden Schlummers„fte, Du Auszug aller t”dlich feinen Kr„fte, Erweise deinem Meister deine Gunst! Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert, Ich fasse dich, das Streben wird gemindert, Des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach. Ins hohe Meer werd ich hinausgewiesen, Die Spiegelflut ergl„nzt zu meinen Fáen, Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag. Ein Feuerwagen schwebt, auf leichten Schwingen, An mich heran! Ich fhle mich bereit, Auf neuer Bahn den Žther zu durchdringen, Zu neuen Sph„ren reiner T„tigkeit. Dies hohe Leben, diese G”tterwonne! Du, erst noch Wurm, und die verdienest du? Ja, kehre nur der holden Erdensonne Entschlossen deinen Rcken zu! Vermesse dich, die Pforten aufzureiáen, Vor denen jeder gern vorberschleicht! Hier ist es Zeit, durch Taten zu beweisen, Das Manneswrde nicht der G”tterh”he weicht, Vor jener dunkeln H”hle nicht zu beben, In der sich Phantasie zu eigner Qual verdammt, Nach jenem Durchgang hinzustreben, Um dessen engen Mund die ganze H”lle flammt; In diesem Schritt sich heiter zu entschlieáen, Und w„r es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu flieáen. Nun komm herab, kristallne reine Schale! Hervor aus deinem alten Futterale, An die ich viele Jahre nicht gedacht! Du gl„nztest bei der V„ter Freudenfeste, #gl„nzetst# Erheitertest die ernsten G„ste, Wenn einer dich dem andern zugebracht. Der vielen Bilder knstlich reiche Pracht, Des Trinkers Pflicht, sie reimweis zu erkl„ren, Auf einen Zug die H”hlung auszuleeren, Erinnert mich an manche Jugendnacht. Ich werde jetzt dich keinem Nachbar reichen, Ich werde meinen Witz an deiner Kunst nicht zeigen. Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht; Mit brauner Flut erfllt er deine H”hle. Den ich bereit, den ich w„hle, Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele, #"Der# Als festlich hoher Gruá, dem Morgen zugebracht! (Er setzt die Schale an den Mund.) Glockenklang und Chorgesang. CHOR DER ENGEL: Christ ist erstanden! Freude dem Sterblichen, Den die verderblichen, Schleichenden, erblichen M„ngel unwanden. FAUST: Welch tiefes Summen, welch heller Ton Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde? Verkndiget ihr dumpfen Glocken schon # Verkndigt# Des Osterfestes erste Feierstunde? Ihr Ch”re, singt ihr schon den tr”stlichen Gesang, Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang, Gewiáheit einem neuen Bunde? CHOR DER WEIBER: Mit Spezereien Hatten wir ihn gepflegt, Wir seine Treuen Hatten ihn hingelegt; Tcher und Binden Reinlich unwanden wir, Ach! und wir finden Christ nicht mehr hier. CHOR DER ENGEL: Christ ist erstanden! Selig der Liebende, Der die betrbende, Heilsam und bende Prfung bestanden. FAUST: Was sucht ihr, m„chtig und gelind, Ihr Himmelst”ne, mich am Staube? Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind. Die Botschaft h”r ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. Zu jenen Sph„ren wag ich nicht zu streben, Woher die holde Nachricht t”nt; Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gew”hnt, Ruft er auch jetzt zurck mich in das Leben. Sonst strzte sich der Himmelsliebe Kuá Auf mich herab in ernster Sabbatstille; Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Flle, Und ein Gebet war brnstiger Genuá; Ein unbegreiflich-holdes Sehnen # unbegreiflich holdes# Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn, Und unter tausend heiáen Tr„nen Fhlt ich mir eine Welt entstehn. Dies Lieb verkndete der Jugend muntre Spiele, Der Frhlingsfeier freies Glck; Erinnrung h„lt mich nun mit kindlichem Gefhle, # nun,# Vom letzten, ernsten Schritt zurck. O t”net fort, ihr sáen Himmelslieder! Die Tr„ne quillt, die Erde hat mich wieder! CHOR DER JšNGER: Hat der Begrabene Schon sich nach oben, Lebend Erhabene, Herrlich erhoben; Ist er in Werdeluft Schaffender Freude nah: Ach! an der Erde Brust Sind wir zum Leide da. Lieá er die Seinen Schmachtend uns hier zurck; Ach! wir beweinen, Meister, dein Glck! CHOR DER ENGEL: Christ ist erstanden, Aus der Verwesung Schoá. Reiáet von Banden Freudig euch los! T„tig ihn preisenden, Liebe beweisenden, Brderlich speisenden, Predigend reisenden, Wonne verheiáenden Euch ist der Meister nah, Euch ist er da!